»Rede und Antwort«

Die GPTCA (Global Professional Tennis Coach Association) ist die einzige globale Tennistrainer- und Coaches-Vereinigung, die eine offizielle Zertifizierung der ATP-Tour erhalten hat. Ihr gehören Experten wie zum Beispiel Severin Lüthi, Trainer von Roger Federer, oder Patrick Mouratoglou, Coach von Serena Williams, an. Im Rahmen der GPTCA-Serie »In the spotlight« wurde  2015 auch ein Interview mit Stephan Medem geführt.

Stephan, woran arbeitest Du momentan? Auf dem Tennisplatz trainiere ich momentan mit einigen wenigen, aber vielversprechenden und entschlossenen Nachwuchsspielern. Darüber hinaus halte ich quer durch Deutschland und die Schweiz meine HEAD-MAN-Mental Seminare sowie One-on-One-Mental-Trainings und helfe damit vielen Athleten bei der Optimierung Ihrer Leistung. Auch als Tennis-Scout berate ich viele Spieler, Coaches und Eltern. Darüber hinaus wird es nach über zehn Jahren eine Neuauflage meines Jugendbuches playGIRL mit einem Vorwort unser Bundestrainerin Barbara Rittner geben. Zusätzlich hoffe ich, dass 2016 auch mein zweites Buch fertig wird.

Wie bist Du zum Coaching gekommen? Wie lange machst Du das schon? Schon als ich noch selber auf der ATP-Tour gespielt habe, sind einige jüngere Spieler auf mich zugekommen und baten mich um Hilfe bezüglich ihres Spieles. Irgendwie hat’s immer ganz gut geklappt und die Jungs konnten sich verbessern. Nachdem ich mit meiner eigenen Spielerkarriere aufgehört hatte, habe ich sehr viel Zeit und Energie in das Studium der sportpsychologischen Aspekte im Tennis investiert und damit begonnen, das Gelernte auch erfolgreich an andere Menschen weiter zu geben, nicht nur auf dem Sportplatz.

Was motiviert Dich, jeden Tag wieder auf’s Neue aufzustehen und Deiner Arbeit nachzugehen? Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten! Ich liebe es, ihnen zu helfen und zu sehen, wie sie sich verbessern. Die Tatsache, dass ich ein Teil ihrer Erfolge bin, macht mich sehr glücklich!

Auf welche Fähigkeiten/Charakteristika achtest Du bei Spielern?  Ich will Motivation sehen! Ich finde, Talent wird überschätzt! Ich ziehe es jederzeit vor, mit jemandem zu arbeiten, der darauf brennt, das Beste aus sich heraus zu holen als mit einem sogenannten Talent.

Was war für dich als Coach die größte Herausforderung und wie hast Du sie gepackt? Die Ironie liegt in der Tatsache, dass bei meiner Arbeit die großen Herausforderungen nicht meine Spieler, sondern sehr oft deren Eltern sind! Einige von Ihnen kommen mit ziemlich verdrehten Erwartungen und Ideen daher. Der Aufwand, diesen Leuten klar zu machen, wie man die Kinder richtig unterstützt, nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit Emotionen und vorgelebten Aktionen, nun, dieser Aufwand kann eine Menge Energie verzehren.

Was war bis jetzt Dein größter Erfolg als Coach? Ich mag es nicht, an dieser Stelle irgendein großes Highlight herauszupicken. Jedes Mal, wenn einer meiner Leute ein Ziel erreicht, welches für sie/ihn vorher noch als unerreichbar galt – weil die Komfortzone verlassen wurde, Ängste überwunden oder eine überdurchschnittlich, disziplinierte Arbeitsweise gefordert und auch erbracht wurde – dann habe ich ein riesengroßes Gefühl des Erfolges!

Welchen Ratschlag hast Du für junge Trainer? Arbeitet nicht zu viel! Ein guter Coach muss fit, wachsam, mit all seinen Sinnen präsent und voller Energie sein. Dass geht nicht, wenn Du pro Woche 50 Stunden Tennisunterricht herunter spulst. Schau, dass Du konditionell top in Form bleibst und gesund lebst. Unsere Rolle als Vorbilder sollte niemals unterschätzt werden! Höre niemals auf an Dir zu arbeiten, Dich zu verbessern und zu lernen, denn alles entwickelt sich rasant weiter. Ansonsten wirst Du sehr schnell den Anschluss verpassen. Bringe Deinem Schüler Vertrauen und Respekt entgegen, verstehe ihn und kommuniziere auf Augenhöhe!

Was inspiriert Deine Arbeit? Schon als Kind war es mein größter Wunsch, Lehrer zu werden. Irgendwie habe ich jedoch schon während meiner Studienzeit am Lehrerseminar gemerkt, dass mich das Unterrichten von Mathe, Geschichte und Erdkunde nicht wirklich happy macht.

Was ist Dein nächstes Ziel als Coach? Egal, wer sich dafür entscheidet, jetzt oder in der Zukunft, mit mir arbeiten zu wollen: Mein Ziel ist es, das Beste aus diesem Menschen heraus zu holen!